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Bedrohte Völker Wodaabe
Wegen ihrer nomadischen Lebensweise sind sie zahlreichen Konflikten ausgesetzt. Durch die Ausweitung der seßhaften Landwirtschaft in der halbtrockenen Sahel-Zone wurden sie in den letzten Jahrzehnten immer weiter nach Norden, in die südlichen Ausläufer der Sahara, abgedrängt. Dort gerieten sie 1992 zwischen die Fronten des Bürgerkrieges zwischen den Tuareg, einem anderen Nomadenvolk, und der Regierung Nigers. Auch nach dem Friedensabkommen vom April 1995 hat sich die Region nicht beruhigt. Der Lebensrhythmus der Wodaabe orientiert sich ganz an den Bedürfnissen ihrer langhörnigen Zebu-Rinder, deren Zucht und Pflege sehr arbeitsintensiv sind. Nur ungern verkaufen sie ein Tier, geschlachtet wird nur selten. Die Menschen ernähren sich von der Milch und einer zusätzlich gesammelten Pflanzenkost. Die Wodaabe haben keine hierarchisch gegliederte Sozialstruktur. Das Volk gliedert sich in mehrere Stämme, die sich wiederum in Verwandtschaftsgruppen untergliedern. Die entscheidende Einheit für die Viehwirtschaft ist die Großfamilie. Die Erbfolge liegt bei den Männern, die mehrere Frauen haben können. Die Frauen genießen jedoch weitgehende Rechte und Freiheiten, können sich auch Liebhaber halten. Die Familienältesten besitzen allein durch ihre Lebenserfahrung etwas Autorität. "Als Vögel der Wildnis", wie sich die Wodaabe selbst sehen, sind sie für den Staat nicht leicht integrierbar. Steuern lassen sich bei ihnen nur schwer eintreiben. Die jungen Männer leisten keinen Militärdienst. Die wenigsten Kinder werden auf die entlegenen öffentlichen Schulen geschickt. Auch die Islamisierung der Wodaabe blieb in vieler Hinsicht nur oberflächlich. Bekannt geworden sind die Wodaabe vor allem durch ihre Feste. Anmutig herausgeputzt, tanzen die jungen Männer stundenlang vor den unverheirateten Frauen, werfen ihnen verführerische Blicke und Lockrufe zu. Kein Wunder also, daß die nigrische Regierung die Wodaabe u. a. deshalb seßhaft machen möchte, um dieses farbenfrohe Element ihrer Kultur touristisch auszubeuten.
Das Zusammenleben der Wodaabe-Hirten mit den seßhaften Bauern vom Volk der Haussa stellte immer einen Balanceakt dar. Durch Bevölkerungszuwachs bei den Haussa hat sich der Ackerbau weiter nach Norden ausgedehnt. Weideland wurde von den Behörden zu Ackerland umdeklariert. Indem die Wodaabe weiter in Richtung Sahara abgedrängt wurden, stießen sie auf die Kamelnomaden der Tuareg. Wenn sie deren Brunnen nutzen wollen, müssen sie Gebühren entrichten und geraten in Abhängigkeit.
1992 brach zwischen Rebellenorganisationen der Tuareg und der Regierung von Niger ein bewaffneter Konflikt aus. Ein Teil der Wodaabe verhielt sich neutral, einzelne Gruppen schlossen sich den Aufständischen an. Im April 1995 haben die beiden Bürgerkriegsparteien ein Friedensabkommen unterzeichnet. Dieses sieht eine Föderalisierung des Landes vor, durch die sich die Tuareg im Norden weitgehend selbst verwalten könnten. Die Umsetzung dieses Abkommens kommt jedoch nur schleppend voran. Niger ist ein von Korruption und Militärherrschaft gezeichneter Staat, der ökonomisch völlig von westlichen Industriestaaten, vor allem Frankreich und den USA, abhängt. Diese sind vor allem an den Uranvorkommen und dem Erdöl im Norden des Landes interessiert. Deshalb hat sich die Lage dort bis heute nicht entspannt. Marodierende Soldaten, arabische Milizen, die von der Regierung gegen die Tuareg mobilisiert wurden, und Banditen machen die Gegend unsicher. Fast täglich werden Nomaden ihres Viehs beraubt, Frauen vergewaltigt, schutzlose Menschen ermordet.
Unterstützung brauchen die Wodaabe bei der Durchsetzung ihrer Interessen gegenüber dem Staat und beim Selbstschutz vor Willkür und Gewalt. Besonders fördernswert sind Projekte, die zum Ausgleich zwischen Wodaabe und Tuareg beitragen. An Entscheidungen über den Abbau von Ressourcen in ihrem Gebiet wollen die Nomaden beteiligt werden. Sie fordern die Anerkennung ihrer Rechte als "indigenes Volk" im Sinne der UNO.
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