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Bedrohte Völker

Die  OGIEK

 
Kenia: Regierung zerstört den Wald der Ogiek

Dezember 2001

'Die Ansiedlung von anderen Leuten in unserer Mitte würde bedeuten, daß die Kultur der Ogiek vergehen würde. Wir würden ausgelöscht.'
Joseph Towett, Vorsitzender, Ogiek Wohlfahrtsrat

Die Ogiek in Kenia leisten Widerstand gegen eine Regierung, deren Ziel es zu sein scheint ihre Waldheimat zu zerstören.

Die Ogiek, ein Stamm von ungefähr 14.000 Menschen, leben seit undenklichen Zeiten im Mau Bergwald oberhalb des Grossen Grabenbruchs in Kenia. Sie ernähren sich mit dem Sammeln von Wildpflanzen und von der Jagd, doch besonders berühmt sind sie als Sammler von Honig von Bienenstöcken aus den höchsten Kronen der Waldbäume. Dieser Honig wird sowohl selbst verzehrt, wie auch mit den benachbahrten Völkern ausserhalb des Waldes gehandelt. Einige Ogiek im Innern des Waldes leben ausschliesslich als Wildbeuter; andere ergänzen ihre Ernährung mit der Ernte aus kleinen Gemüsegärten und mit ein paar Stück Vieh. Für alle Ogiek bleibt die Bienenhaltung und das Sammeln von Honig der Mittelpunkt ihres Lebens. Ihre viehzüchtenden Nachbarn aber schauen auf diese Sammler und Jäger verächtlich herab.

Die Mau Wälder, die urväterliche Heimat der Ogiek, sind ein unter dem Kenianischen Forst-Gesetz geschütztes Gebiet. Schon seit der Kolonialzeit haben alle Regierungen versucht sie – unter dem Scheinargument 'Schutz der Umwelt vor den Ogiek' – aus dem Wald zu verbannen; selbst in diesem Jahr haben die Obrigkeiten versucht die Ogiek aus ihrer Heimat zu verdrängen. Doch bis heute haben die Ogiek immer wieder Wege gefunden zurückzukehren. Aber jetzt sehen sie sich mit der bisher größten Bedrohung konfrontiert.

Obwohl nach wie vor an der Behauptung festgehalten wird, daß der Wald, den die Ogiek immer nur nachhaltig nutzten, des Schutzes vor diesen Wildbeutern bedürfe, hat die Regierung Kenia's fast 60,000 Hektar dieses Waldes für die private Nutzung eröffnet. Diejenigen, die den Nutzen von dieser Verfügung haben sollen, sind zum größten Teil nicht die Ogiek selbst, sondern Landentwickler wie beispielsweise Teepflanzer oder Holzeinschlagsunternehmer zusammen mit Siedlern aus anderen Landesteilen. Drei einflußreiche Holzverarbeiter: Pan African Paper Mills, Raiply Timber and Timsales Ltd. sind bereits am Werk in diesem Wald.

Das Eindringen von nicht Einheimischen in das Gebiet des Mau Waldes zuzulassen ist in Wirklichkeit Teil eines großangelegten Planes um Wählerstimmen zu gewinnen, der darauf abzielt ungefähr zehn Prozent der Kenianischen Wälder für die Ansiedlung von Landlosen zu entwidmen – der größte Teil davon im Mau Wald. Die Tragik dabei ist, daß die Ogiek, wenn dieses Regierungsvorhaben tatsächtlich umgesetzt wird, lediglich als Teil in die verarmte Landesbevölkerung eingehen aber als Volk aussterben werden. Dieser Plan gefährdet auch die Umwelt Kenias, denn der Mau Wald ist ein lebenswichtiges Wassereinzugsgebiet. Zeiten der Dürre sind in Kenia bereits endemisch, und alle Fachleute sind sich einig, daß der Verlust der Waldflächen das Problem wesentlich verschärfen und darüberhinaus sogar das Nachbarland Tanzania beeinträchtigen wird.

Der Plan die Staatsforsten zu öffnen war zunächst im Januar 2001 angekündigt worden und hatte eine Welle internationaler Proteste ausgelöst. Es gab Widerspruch im Parlament Kenias, sowie Poteste und Petionen von Umweltschützern. Die Wohlfahrtsorganisation der Ogiek (Ogiek Welfare Association) erwirkte eine einstweilige Verfügung des Obergerichtshofes, der die Entwidmung von 35,000 ha der östlichen Mau Forste solange untersagt, bis ein bereits 1997 von den Ogiek zur Verteidigung ihrer Landansprüche eingebrachtes Gerichtsverfahren entschieden ist. Mit Drohungen und Einschüchterung versuchten die örtlichen Behörden die Ogiek dazu zu zwingen die Klage zurückzuziehen, doch sie blieben standhaft; und einer der Stammesältesten sagte zu einem örtlichen Regierungsvertreter: 'Keine noch so starke Einschüchterung wird uns davon abbringen auf unserem Gott-gegebenen Recht innerhalb der Verfassung zu bestehen.' In einem offensichtlichen Versuch zu vermeiden, auf die Ansprüche der Ogiek eingehen zu müssen, wurde der Prozess vertagt. Doch – obwohl dies eine klare Verletzung des Richterspruches darstellt – die amtliche Vermessung des strittigen Landes geht weiter. Wenn der Mau Wald erst erschlossen ist wird das gleiche höchstwahrscheinlich auch in anderen Gebieten der Ogiek erfolgen.

Im Oktober des Jahres 2001 gab der Umweltminister den Befehl mit der Erschließung dieser Waldgebiete zu beginnen und Berichte liegen vor, wonach Holzeinschlagsunternehmen bereits mit dem systematischen Kahlschlag neuerschlossener Waldteile begonnen haben. Die Regierung Kenias wendet sich mit diesem Vorgehen nicht nur gegen internationalen Rat sondern verletzt ihr eigenes Rechtssystem sowie das Recht der Ogiek innerhalb des internationalen Rechts und gefärdet das Überleben der Ogiek als Volk.

Aktion

Survival Bulletins werden herausgegeben, wenn ein Naturvolk bedroht ist – und wenn Sie helfen können. Seit 1969 hat Survival oftmals bewiesen, dass gezielte öffentliche Unterstützung dabei helfen kann, gefährdete Völker vor der Zerstörung zu retten. Mit dem Aufwand der wenigen Minuten, die erforderlich sind um an die untenstehenden Adressen zu schreiben, können Sie den Ogiek wirklich helfen. Jeder Brief macht einen Unterschied.

Survival nimmt keinerlei Gelder von National-Regierungen an, und ist daher auf die Unterstützung durch Einzelpersonen angewiesen, um die Arbeit zu finanzieren. Sie können diese Bulletins jedoch kostenlos per Post oder E-Mail erhalten. Dies Bulletin ist außerdem auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch in gedruckter Form erhältlich – für weitere Informationen und Auflagen wenden Sie sich bitte an uns.

Bitte verfassen Sie einen kurzen und höflichen Brief oder Fax (auf KiSwahili, Englisch oder Deutsch), und erwähnen Sie dabei die folgenden Punkte:

    *   Das Recht der Ogiek auf ihr angestammtes Land ist nach internationalem Recht unantastbar und muss anerkannt werden.
    *   Die Entwidmung und Erschließung des Ost Mau Waldes wäre eine grobe Verletzung des Richterspruchs des Obergerichtshofes und
        im weiteren eine Mißachtung des Gerichts.
    *   Die Vermessung und der Holzeinschlag in all den umstrittenen Gebieten des Mau Waldes muß eingestellt werden.

Bitte senden Sie Ihren Brief an den Staatspräsidenten von Kenia:

His Excellency President .........
Office of the President
PO Box 30510
Nairobi
Kenya

Fax: +254 2 210 151
(Anrede: Ihre Exzellenz oder: Your Excellency)

und, wenn möglich, senden Sie eine Kopie an den Tourismusminister:

The Hon. ..........
Minister for Tourism and Information
Ministry of Tourism and Information
PO Box 30027
Nairobi
Kenya

Fax: +254 2 217 604
(Anrede: Sehr geehrter Herr ....... oder: Dear Mr. .........)
 

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